die
Steinzeit
Der
Begriff "Steinzeit" geht auf den dänischen
Archäologen THOMSEN zurück und
gilt für jenes Zeitalter, in dem "der Stein"
für die Herstellung von Werkzeugen
und Waffen verwendet wurde.
Diese von Menschenhand angefertigten Geräte werden
von den Archäologen als Artefakte bezeichnet.
Die Steinzeit ist das älteste
und längste Zeitalter der Urgeschichte. Sie begann
in
Europa vor mehr als einer Million Jahren und endete mit
der
Herstellung und Verwendung von Bronze.
Die Steinzeit wird in Europa in die drei Perioden "Altsteinzeit"
(Paläolithikum),
"Mittelsteinzeit" (Mesolithikum) und "Jungsteinzeit"
(Neolithikum) gegliedert.
Das Klima war sehr wechselhaft, es lösten sich milde
Warmzeiten mehrfach mit kalten Eiszeiten
ab. In manchen Gebieten Europas regte sich in der Steinzeit
sehr starker Vulkanismus.
Im Verlauf der Steinzeit entwickelte
sich aus primitiven Vorläufern der heutige Mensch.
Der kulturelle Aufstieg vom Vormenschen zum Jetztmenschen
war mit einer allmählichen
Zunahme der Körpergrösse, der Entwicklung des
Gesichtes und des Gehirns sowie mit
merklichen Veränderungen der Schädelform und des
Skelettbaus verbunden.
Auch die Sprachfähigkeit wurde immer mehr verbessert.
Diese Entwicklung vollzog sich ausschliesslich in der Altsteinzeit.
Die Menschen der Alt- und Mittelsteinzeit waren nicht sesshaft,
sie ernährten sich
fast nur von der Jagd und vom Sammeln ("Aneignende
Wirtschaftsweise").
Das Wanderleben der Jäger, Sammler und Fischer endete
inder Jungsteinzeit.
Der Übergang von der aneignenden zur produzierenden
Wirtschaftsweise begann
mit der Rodung der Wälder.
Pflanzliche und tierische Nahrung wurden bewusst hergestellt,
Rohstoffe, Nahrung und
Jagdgebiete waren Gemeinbesitz der Lokalgruppe, individuell
gefertigte Arbeitsmittel
sowie Schmuck und Kleidung persönlicher Besitz. Die
Hauptsorgen der jungsteinzeitlichen
Bauern galten dem Gedeihen der vom Wetter abhängigen
Ernte und der Viehzucht.
Deshalb opferten sie vermutlich zu bestimmten Jahreszeiten
sogar Menschen.
Die Herstellung von Gebrauchsgegenständen wurde im
Laufe der
Steinzeit immer mehr vervollkommnet.
Die Altsteinzeit gilt als "Zeit
des geschlagenen Steins", in der Werkzeuge und Waffen
aus verschiedenen Gesteinsarten durch immer raffiniertere
Schlagtechniken angefertigt wurden.
Am Beginn dieser Entwicklung standen grob, durch wenige
Schläge zugerichtete Geröllgeräte,
an
ihrem Ende meisterhaft gefertigte Faustkeile. Auch Knochen
und Geweih dienten als Rohstoffe.
Für die Mittelsteinzeit ist der Gebrauch von auffallend
kleinen Steingeräten kennzeichnend,
die man wegen ihrer geringen Grösse
"Mikrolithen" nennt.
Die Jungsteinzeit präsentiert sich als "Zeit des
geschliffenen Steins".
Charakteristisch sind geschliffene und für die Aufnahme
des Schaftes durchbohrte
Steinäxte. Spitzenerzeugnisse der weiterhin betriebenen
Steinschlagtechnik waren
gegen Ende der Jungsteinzeit die Feuersteindolche. Das Rohmaterial
für Steinwerkzeuge
und Waffen musste in einigen Gebieten, in denen es keine
entsprechenden Vorkommen gab,
beschafft oder eingetauscht werden. Der Bedarf an Feuerstein
wurde in der Jungsteinzeit so
gross, dass man in einigen Ländem Europas bereits Feuersteinbergwerke
im Tagebau betrieben hat.
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Eine
der wichtigsten technischen Neuerungen der Jungsteinzeit war
die Erfindung der Töpferei.
Die Herstellung von Keramikgefässen dürfte eine
Folge der Sesshaftigkeit der frühen
Ackerbauern und Viehzüchter gewesen sein.
Denn seit die Siedlungen nicht mehr ständig verlegt wurden,
war es möglich, leicht
zerbrechliche Tongefässe zu entwickeln, die an die Stelle
der vorher gebräuchlichen
Vorratsbehälter aus organischem Material traten.
Die Tongefässe wurden häufig vor dem Brennen mit
aufwendigen Mustern verziert.
Der Schmuck wurde im Laufe der Jungsteinzeit aus verschiedenen
Materialien hergestellt.
Kalkstein, Marmor, Knochen, Hirschgeweih oder Bernstein waren
besonders begehrt.
In Norddeutschland, Dänemark und Holland existierte von
etwa 2800 bis 2300 v. Chr.
die sogenannte"Einzelgrab-Kultur". Den Begriff "Einzelgrab-Kultur"
hat 1882 die
Prähistorikerin Johanna WESTORF (18291909) aus Kiel eingeführt.
Charakteristisch für diese Kultur sind einzelne Gräber
unter Erdhügeln.
Unsicher datierte Pflugspuren unter einem Grabhügel von
Ostenfeld (Nordfriesland)
und vereinzelte Abdrücke von Getreidekörnern auf
Tongefässen liefern Hinweise auf den
Ackerbau zur Zeit dieser Kultur. Auch die Viehhaltung (Rinder,
Schweine, Schafe,
Ziegen und Hunde) war für die Einzelgrab-Kultur üblich.
Die Frauen der Einzelgrab-Leute erfreuten sich an manchem
Schmuck. Beliebt waren vor allem
aus Bernstein geschaffene Perlen, welche den Kopf, den Hals
oder die Handgelenke zierten.
Als typisches Tongefäss dieser Zeit gelten
die geschweiften Becher. Darunter versteht
man ein schlankes Gefäss mit abgesetztem Boden und geschweiftem
Oberteil.
Dreiviertel aller Becher wurden mit Schnureindrücken,
Fischgräten- oder
Tannenzweigmustem verziert. Die Einzelgrab-Leute besassen
geschäftete
Feuersteinbeile und Felsgesteinäxte, die als Arbeitsgeräte
anzusehen sind.
Als Waffen standen ihnen vor allem Streitäxte, aus Felsgestein
gearbeitet, und polierte
Klingen zur Verfügung. Aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg
kennt man
etliche Äxte mit Ritzverzierungen, die vielleicht auf
die Zahl des damit erlegten Wildes
oder gar der getöteten Feinde hinweisen sollen. Die Streitäxte
der Einzelgrab-Kultur
imitieren teilweise kupferne Vorbilder. Eine solche Steinaxt
mit Gußnaht wurde
beispielsweise in Wittenborn (Segeberg) gefunden. Kupferprodukte
sind
an Fundstellen der Einzelgrab-Kultur nicht entdeckt worden.
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Bronzezeitliche
Darstellung eines Elches
(ca. 4000 Jahre alt)
Dieses Replikat eines Fundes entstammt
der Umgebung von Ljusnan,
Härjedalen (Schweden).
Bei dem Original wurde ein Gemisch
aus Ockerfarbe und Fett verwendet.
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Die
Einzelgrab-Leute haben ihre Toten meist unverbrannt bestattet.
Die männlichen Bestatteten wurden in der Regel mit einer
Streitaxt, mindestens
einem Feuersteinbeil, einem Feuersteinmesser und einem tönernen
Becher
versehen. Den Frauen gab man ebenfalls häufig ein Feuersteinmesser
und einen Becher mit ins Grab.
Ausserdem trugen sie vielfach Halsketten mit Bernsteinperlen.
Solche Beigaben deuten auf den Glauben an ein Weiterleben
im Jenseits hin.
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