kleine
Monster - Trilobiten
Trilobiten,
Dreilapper, gehören zu einer ausgestorbenen Gruppe
meeresbewohnender Gliedertiere (Arthropoden).
Sie
erscheinen im untersten Paläozoikum vor fast 600 Millionen
Jahren
in einer beachtlichen Organisationshöhe.
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In
den 350 Millionen Jahren
ihrer Herrschaft haben sie
alle marinen Lebensräume
erschlossen und Formen
entwickelt, die durch ihre
bizarre Schönheit bestechen.
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Dicranurus
monstrosus, Devon, Marokko
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Im Kambrium stellen sie
60% der bekannten Fauna.
Trotzdem
nimmt ihr Artenreichtum schon im Ordovizium stetig ab.
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Im Perm, vor 225 Millionen Jahren,
stirbt die Klasse der Trilobiten aus.
Man kennt heute etwa 3000 Gattungen mit 20000 Arten.
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Lebende
Verwandte der Trilobiten sind die echten
Krebse und die zu den
Spinnentieren gehörenden
Pfeilschwanzkrebse.
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Ihren
Namen verdanken die Trilobiten ihrem dreigeteilten Rückenpanzer.
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Eldredgeops
milleri
Breite des Cephalons 1,7 cm. Devon, USA (Ohio)
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Horizontal unterscheidet man den
vorderen Kopfschild (Cephalon), den
mittleren Rumpfabschnitt (Thorax) und
den hinteren Schwanzschild (Pygidium);
vertikal sind es die zentrale Spindel oder
Achse und die seitlichen Pleuren.
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Der Panzer, der aus einer chitinartigen Substanz
besteht, schützt das Tier vor Angriffen.
Durch Einlagerung von Kalksalzen
ist er besonders gehärtet.
Weil der Panzer nicht mitwächst,
muss er regelmässig gehäutet und
abgeworfen werden.
Die
ursprünglichen Segmente sind
im Cephalon und im Pygidium
miteinander verschmolzen.
Lediglich im Thorax sind die Segmente
noch frei gegeneinander beweglich.
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Eldredgeops
milleri, Länge
1,5 cm. Devon USA (Ohio)
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Terminologie des Trilobitenpanzers
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Odontopleura
ovata, Freiwange,
Silur, Geschiebe Damsdorf.
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Das Kopfschild trägt in der Mitte die gewölbte
Glabella; die ursprüngliche Segmentierung
spiegelt sich in den Glabellarfurchen wider.
An
die Glabella schliessen sich
die Festwangen an.
Ein Nackenring leitet zum Rumpf über.
Glabella, Festwangen und Nackenring
werden als Cranidium bezeichnet.
Eine sogenannte Gesichtsnaht trennt das
Cranidium von den beiden Freiwangen.
Unter dem Kopfschild befindet sich eine
z.T. zweilappige Platte, das Hypostom.
Es dient dem Schutz des Magens, der
sich
unter der Galbella befindet.
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Weil bei vielen Trilobiten das Hypostom
fest mit dem Vorderrand des Cephalons
verwachsen ist, dürfte es wohl nicht zum Graben oder
Scharren benutzt worden sein.
Der Thorax besteht aus 2 bis 40,
meist 5 bis 15, Segmenten. Jedes Segment besteht
aus dem Spindelring und den seitlichen Pleuren. Quer über
die Pleure verläuft
die Pleuralfurche. Auf der Unterseite befindet sich auf
dem Umschlag, dem Panzerteil,
der auf die Bauchseite des Tieres übergreift, der
sogenannte Pander'sche Vorsprung.
Es handelt sich um einen kleinen Höcker, der als
Widerlager dient und ein zu
starkes Übergleiten der Rippen verhindert.

Aulacopleura
konincki,
Silur, Tschechien.
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Das
Pygidium besteht aus unterschiedlich vielen, miteinander verschmolzenen
Segmenten.
Bei Trilobiten aus dem Kambrium ist es sehr klein; bei jüngeren
Formen aus dem
Devon kann es das Kopfschild an Grösse noch übertreffen.
Die
meisten Trilobiten besitzen hochentwickelte Facettenaugen, die
aus bis zu 15000 einzelnen
Linsen bestehen. Einige wenige Formen sind sekundär wieder
erblindet. Manche besitzen in
ihrer Jugendzeit noch eine einzige Linse, die bei dem erwachsenen
Tier dann reduziert wird.
Man
unterscheidet zwei Augentypen, das holochroale Auge, bei dem
sich die einzelnen
Linsen gegenseitig berühren und das schizochroale Auge
mit sehr grossen,
einzeln stehenden Facetten.
Die
Trilobiten sind die einzige Tiergruppe, der es gelungen ist,
den doppelbrechenden
Kalkspat (Calcit), optisch richtig orientiert, als Linse einzusetzen.
Alle übrigen Gliedertiere
benutzen dazu eine chitinähnliche Substanz mit einer schlechteren
Lichtausbeute.
Facettenauge
von "Chasmops":
Toxochasmops macroura,
Ordovizium, Geschiebe Ostholstein.
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Unterhalb der Linse folgt ein Kristallkegel, der
die Lichtstrahlen zum Sehnerv weiterleitet.
Die Augen der ältesten kambrischen
Trilobiten sind nur selten erhalten.
Eine spezielle Naht trennt das Auge
bei der Häutung aus dem Verbund
- es zerbricht und geht verloren.
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Neben
den hochentwickelten Augen besaßen die Trilobiten
zahlreiche Sinneshärchen,
die Tastfunktion hatten oder als Strömungsanzeiger
fungierten. Auf dem Panzer befinden
sich zahlreiche, treppenartig aufgebaute Strukturen,
sogenannte Terrassenlinien.
Ihre Deutung als Sinnesorgan oder Grabskulptur ist umstritten.
Unabhängig davon ist
die Anordnung der
Terrassenlinien ein wichtiges systematisches Merkmal,
ähnlich den Fingerabdrücken der Menschen.
Durch
Röntgenuntersuchungen ist es gelungen, die innere
Anatomie der Trilobiten
zu erforschen. Hervorragende Ergebnisse erzielte man
bei den pyritisierten Trilobiten
aus dem Dachschiefer des Hunsrück. Man fand unter
dem Cephalon ein Paar Antennen
und drei bis vier Paar Spaltbeine. Unter jedem Rumpfsegment
liegt ein weiteres Paar und
schliesslich einige kleinere unter dem Pygidium.
Diese Spaltbeine, die allen Gliedertieren zueigen sind,
bestehen bei den Trilobiten
aus einem Laufbeinast, der der Fortbewegung, dem Graben
und dem Weidegang
dient sowie einem Kiemenast, der aus starren Filamenten
besteht und
Atmungs- bzw. Schwimmfunktion hat.
Die
Mundöffnung liegt am hinteren Abschnitt des Hypostoms.
Die Speiseröhre zieht nach vorn zu dem grossen
Magen, der sich
unter dem Frontallobus der Glabella befindet. Der Darm
verläuft unter der
Spindel nach hinten und endet unter dem Pygidium. Neben
dem Magen liegen
seitlich sogenannte Mitteldarmdrüsen, die ein Verdauungssekret
bilden.
Ein umfangreiches Muskelsystem dient zur Bewegung der
Beine,
der Antennen und des Magens.
Bei einigen seltenen Funden ist es möglich, Muskelansatzstellen
zu
untersuchen und so das Muskelsystem der Trilobiten zu
rekonstruieren.
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Neseuretus
tristani
Länge 7,0 cm. Ordovizium, llandeilo, Ciudad Real,
Spanien
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Männliche und weibliche Tiere
zu unterscheiden, ist an fossilem Material sehr schwer.
Dennoch
gibt es Versuche, bei den Trilobiten einen Geschlechtsdimorphismus
nachzuweisen.
Bei grösseren und meist weniger bestachelten Exemplaren
soll es
sich um Weibchen handeln;
kleinere und stärker bestachelte
Formen sind Männchen.
Auch geringe Unterschiede in der Aufwölbung der Glabella
oder in
der Anordnung der Facetten
werden dahingehend interpretiert.
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Sicher
haben die Trilobiten, wie auch alle anderen Gliedertiere, Eier
gelegt.
Man hat Hohlkugeln von 1 mm Durchmesser gefunden, die aus einzelnen
Phosphatlagen aufgebaut sind. Im Innern der Kugeln konnte organisches
Material
nachgewiesen werden. Möglicherweise handelt es sich bei
diesen Gebilden
tatsächlich um die Eier der Trilobiten.
Die Larven trugen zunächst einen etwa 1 mm langen Panzer.
Dieses Stadium bezeichnet
man als Protaspis. Im Meraspis-Stadium sondert sich ein kleines
Schwanzschild ab.
Später erscheinen dazwischen die einzelnen Rumpfsegmente.
Mit dem Erscheinen der vollständigen Zahl an Rumpfsegmenten
setzt das Holaspis-Stadium
ein. Ab jetzt erfolgt nur noch ein Grössenwachstum. Die
relative Dauer der einzelnen Stadien
ist schwer zu ermitteln. Man nimmt an, dass das Protaspis-Stadium
etwa eine Woche dauert,
das Meraspis-Stadium den Rest des ersten Jahres und das
Holaspis-Stadium mindestens vier Jahre.
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Paradoxides
davidis
Länge 27 cm. Kambrium,
Manuels River, Newfoundland
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Weil
der Panzer nicht mitwächst, mussten sich die Trilobiten
regelmässig häuten; man
schätzt bis zu 30 mal in ihrem Leben. Hierbei reisst
das Kopfschild an der Gesichtsnaht
auf und zerfällt in drei Teile, das Cranidium und
die beiden Freiwangen.
Der Trilobit schwimmt nach vorn aus dem alten Panzer heraus.
Bei den meisten Fossil-Funden handelt es sich um solche
Häutungsreste oder Exuvien.
Manche Trilobiten klappen das gesamte Kopfschild einfach
nach vorn ab. Es liegt dann
umgekehrt vor dem Tier. Diese spezielle Art der Häutung
ist nur von wenigen
Trilobiten bekannt. Man spricht von der SALTER'schen Einbettung.
Unter dem Panzer hat sich bereits ein neuer gebildet,
der aber noch
weich ist und sich erst ein wenig ausdehnt und dann aushärtet.
Während dieser Zeit ist der Trilobit ungeschützt
und besonders gefährdet.
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Flexicalymene
sp.,
Ordovizium, Marokko.
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Natürlich hatte auch der Trilobit im
Urmeer Feinde, beispielsweise die
meterlangen Kopffüsser. Vor ihnen
schützte ersich durch Einscharren
in das Sediment, durch starke*
Bestachelung oder meistens
durch Einrollen.
Alle Trilobiten hatten die Möglichkeit,
sich zusammenzukugeln.
Die weichhäutige Bauchseite war dann
allseits von dem harten Rückenpanzer
umgeben und so geschützt.
Kambrische Trilobiten kennt man
kaum eingerollt. Ihnen fehlt ein
Verschlussmechanismus, der den
Trilobiten auch nach dem
Tod zusammenhält.
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Jüngere
Formen besitzten solche Mechanismen. Hier greifen die
Rippen nahtlos ineinander.
Oft passt das Schwanzschild nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip
in eine Mulde auf der
Unterseite des Cephalons. Einige Trilobiten tragen auf
Kopf, Rumpf und Schwanzschild
kräftige Stacheln, die bei dem eingerollten Tier
nach allen Seiten abstehen. Eine solche
Stachelkugel ist weitgehend unangreifbar. Trotzdem findet
man manchmal
Trilobiten mit verheilten Verletzungen, ein Zeichen für
einen überlebten Angriff.
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"Calymene":
Flexicalymene meeki,
Silur, Ohio, USA.
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Trilobiten
ernähren sich hauptsächlich durch das Abweiden
des Meeresbodens.
Einige Formen, nämlich solche mit einer aufgeblähten
Glabella und somit einem
grossen Magen, waren Sedimentfresser. Ob es unter ihnen
auch Räuber gab, ist fraglich.
Sie besitzen keine Mundwerkzeuge, um ihre Beute festzuhalten
oder zu zerkleinern.
Die
meisten Trilobiten lebten im lichtdurchfluteten Uferbereich
des Meeres, bis vielleicht
hundert Meter Tiefe. Sie liefen auf der Sedimentoberfläche
umher, durchwühlten die
obersten Bodenzentimeter oder lebten halb eingegraben
in ihrem Bau.
Nur blinde Formen dürften die dunklen Tiefen des
Meeres besiedelt haben. Lange Stacheln
verhindern das Versinken im Sediment. Andere sind reine
Schwimmtrilobiten,
deren Augen fast das gesamte Kopfschild bedecken.
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Manchmal
sind auf dem
versteinerten Meeresboden
Spuren von Trilobiten zu entdecken.
Man unterscheidet zwischen
Ruhespuren, Weidespuren
und Laufspuren.
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verwendete
Literatur:
"Trilobiten
weltweit. Die Welt der Dreilapper und ihr Spiegelbild in
der Philatelie" von Dr. H.U. Ernst und Dr. F. Rudolph,
Verlag Dr. Friedrich Pfeil - München, 2002
Das Buch kann über die u.a. Mailadresse oder über
www.fossilbuch.de bezogen werden
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Autor:
Dr. F. Rudolph, Wankendorf, SH
Das Mitglied der Geologisch-Paläontologischen
Arbeitsgemeinschaft, Dr. F. Rudolph, befasst sich seit vielen
Jahren mit den Trilobiten.
Er ist Inhaber einer Fachbuchhandlung, über die auch
weitere Literatur zu diesem Thema bezogen werden kann: eMail
- fossilbuch@t-online.de
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