Ein ungewöhnlicher Fund

Von Herrn H. Köller, einem Mitglied der GEO-AG, erhielt ich ein besonderes Stück zur Betrachtung. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den sehr gut erhaltenen Steinkern eines Seeigels der Art Galerites vulgaris LESKE 1778 aus der Oberen Kreide.

Als Fundort kann allerdings nur eine Fossilienbörse im norddeutschen Raum angegeben werden, sodass hier der Fund vermutlich auch seine Herkunft hat.

Die Maße des in der Aufsicht rundlichen und in der Seitenansicht nicht ganz konischen Steinkerns halten sich mit einem größten Durchmesser von 35,5 mm und einer Höhe von 28 mm in den bekannten Grenzen dieser Gattung und Art. Einzig das rundliche Periprokt scheint vergrößert. Es sollte etwa gleich groß dem etwas fünfeckigen Peristom sein, bestenfalls etwa um 10-20% größer. Hier zeigt sich ein Peristom von 6 mm Durchmesser und ein Periprokt von 10 mm Durchmesser, was einer Vergrößerung um etwa 67 % entspricht. Von diesem Peripokt ausgehend zieht sich eine Reihe aneinanderstoßender und leicht übergreifender, annähernd ovaler Einsenkungen über den Ambitus hinaus zum Apex hin, dabei von Einsenkung zu Einsenkung die Größe etwa linear verringernd, bis knapp unter dem Apex nur noch wenige aufeinanderfolgende Risse in den Suturen zwischen den Platten erkennbar sind. Die Abnormität setzt sich auf der Unterseite jenseits des Periprokts zum Peristom hin nicht fort.

Das Innere des Steinkerns, welches der Einsenkungen wegen gut erkennbar ist, weist eine beigefarbene und wie erwartet harte Textur auf. Äusserlich ist der Steinkern mit hellgraublauer Feuerstein-Rinde bedeckt, die wiederum nach einer ätzenden Reinigung des Kerns noch teilweise in einigen Abschnitten mit den aufgerauten bzw. verätzten Resten der ursprünglichen Schale des Echiniden bedeckt ist.

Die vermuteten Ambulakralbereiche sind mit ihren einfachen Porenreihen deutlich erkennbar und nicht mit der im hinteren Interambulakralfeld liegenden Abnormität verwechselbar.

Vermutungen über die Entstehung der Abnormität führen zu keinem schlüssigen Ergebnis. Der Steinkern ist nicht erkennbar zerdrückt. Ausserdem würde ein eventuell auch abscherendes Drücken des Fossils zwar ein "Aufreissen" der Plattennähte erklären, jedoch nicht die in der Bruchlinie verlaufende Symmetrie der aufeinanderfolgen Einsenkungen. Eine Entstehung durch Abätzung oder in die Lagerstätte eindringende Huminsäuren ist ebenfalls auszuschließen. Die Symmetrie der ovalen Senken ist auch nicht kongruent mit dem Verlauf von Platten oder Plattennähten, sodass hier ein Zusammenhang mit den Suturen ausgeschlossen werden kann.

Sammlung H. Köller, Kiel | Text und Fotos P. Lade, Kiel

 

 

Ein Flintauge

Dieser ungewöhnliche Fund wurde in einer Kieskuhle zwischen Grünhagen und Eitzen im Landkreis Uelzen gemacht. Er zeigt einen rötlich durch Metalloxide verfärbten Schwamm im Querschnitt im Feuerstein. Man könnte meinen, hier die fossilen Reste eines Auges zu sehen. Durch solche Funde haben sich unsere Ahnen verständlicherweise zu den wildesten Ideen oder Vermutugen hinreißen lassen.